| Töging (zip) - Sie
haben den mit Abstand weitesten Weg zurücklegen müssen, um am
Gautrachtenfest teilnehmen zu können: die zwölfköpfige Gruppe
des «Gebirgstrachtenvereins Almrausch» aus Philadelphia im US-Bundesstaat
Pennsylvania.
Jeden Montag treffen sie sich, um im «German style» zu tanzen.
Nun, beim Gautrachtenfest in Töging, wollen sie nun aber sehen,
«wie es wirklich geht», gesteht Elisabeth Hostetter. Denn: Bei
ihr zu Hause, in den USA, sei diese Art von Brauchtum nicht mehr
allzu verbreitet.
Optisch sind sie und ihre Gruppe ohnehin nicht zu
unterscheiden von all den anderen Trachtlern, die gestern zu
Bayerns größtem Trachtenfest in der Innstadt weilten. Die Damen
im Dirndl, die Herren in der Krachledernen, tanzen und schunkeln
und trinken sie mit Gleichgesinnten.
Die Gruppe sei sehr freundlich empfangen worden, berichtet
Elisabeth Hostetter in fließendem Deutsch. Ihr Mann Anthony, der
erste Vorplattler der Gruppe «Almrausch» aus Philadelphia,
erhielt sogar einen gläsernen Enzian als Willkommensgeschenk. Im
Gegenzug revanchierten sich die Amerikaner bei den Deutschen mit
einem Modell der Freiheitsglocke aus Philadelphia und einer
Chronik des Trachtengaues Nordamerika.
50 Mitglieder, von acht bis 80 Jahren, nähmen regelmäßig an
den Tanzveranstaltungen des Vereins teil. «Alle deutschstämmig»,
erklärt Hostetter, «wir haben sogar ein eigenes Gaufest».
Obwohl die Gäste stolz auf ihr Brauchtum sind, wollen sie es
in ihrer Heimat dennoch nicht allzu öffentlich zur Schau stellen:
«In der Lederhose gehe ich nicht aus dem Haus!», gesteht Don
Schwab lachend. «Was würden denn meine Nachbarn sagen?»
Für die Hostetters hat sich der Besuch des Gautrachtenfests
in zweierlei Hinsicht gelohnt: Nicht nur Töging haben sie in den
letzten Tagen kennengelernt, sondern ganz Deutschland. Drei
Wochen lang reisten sie durch das Land. Was ihnen am besten
gefiel: «Die Stimmung während der Fußball-WM! So viele Fahnen,
so viele Feste. Alle waren so fröhlich!» |